Spiegelnder Augenblick

Zu Beginn findet sich eine Leinwand wieder. Was als Erinnerung an den kindlichen Sandkasten beginnt, steigert sich in eine Schlacht aus Steinbrei und vollendet in rhythmischen Spachtelbewegungen den Grund des Bildes. Meinte nicht einst Prof. Willi Baumeister (deutscher Maler 1889 - 1955), dass "das Material den Künstler dirigiere", dass "die Technik jedem Werk einen Leib gebe" und dass er deswegen am längsten am Grund arbeite. Das Auge sehe eine gewisse Addition von Wirkung, so arbeite er aus dem Grund heraus und führe die Malerei in die Lebendigkeit.

Das Bild mit seinem Grund wird dem Raum und der Zeit übergeben, bis sich wie aus dem Nichts verklärt ein figuratives Motiv in den Vordergrund drängt. Unwissend intuitiv bildet sich ein Wesen, als hätte es jemand auf die Bühne des Lebens gerufen.


 

Die unnennbaren Werte eines Kunstwerkes können ja ebenso wenig mit Worten gefasst werden wie ein Konzert von Mozart. Man kann darüber sprechen, dieses und jenes besonders hervorheben, das ist aber auch alles. Der Gehalt eines Kunstwerkes bleibt ein Geheimnis, aber er ist vorhanden.

(Vortrag von Willi Baumeister vor Studenten einer Werkkunstschule: Das Kreative geht dem Unbekannten kühn entgegen, 1950)